Ein Kind, welches keine Liebe und Geborgenheit spürt, kommt als Erwachsener meist nur sehr schlecht zurecht. Das Selbstwertgefühl bleibt auf der Strecke, denn als Kind lernt man für seine Zukunft. Lernt, wie man in der Welt zurecht kommt. Aber wenn niemand dem Kind den Weg zeigt, kann es diesen nicht oder nur sehr schwer finden. Wenn das Kind dann noch sexuell missbraucht wird und von anderen Menschen immer wieder nur nieder gemacht wird, fällt es dem Kind noch schwerer klar zu kommen. Das Kind denkt, es wäre es nicht wert zu leben, dass es nur als Spielzeug anderer existiert. Viele Kinder entwickeln Verhaltensmuster, welche sie als Erwachsene nicht ändern können. Und wenn doch, wird es ein langer und schwerer Weg. Denn zu schnell schwinden die Kräfte. Ein kleines weniger tragisches Ereignis reicht, und die Person liegt wieder auf dem Boden.
Einige sind von außen stark und geben sich, als wenn nichts und niemand sie verletzen könnte. Aber tief im inneren zerreißt alles. In stillen Momenten greift die Person zum Messer oder weint sich die Augen aus. Andere betäuben ihre Gefühle, ihren Schmerz mit Alkohol und/oder Drogen. Einmal in diesen Rausch und es fällt schwer die Finger davon zu lassen. Denn das Gefühl der Freiheit ist extrem. Eine Freiheit, welche im Grunde genommen nur die Gefängniszelle ausbruchsicherer macht. Drogen ändern nichts an den Seelenschmerzen. Und ein einigermaßen normales Leben kann man auf Dauer damit auch nicht leben.
Für die oben genannten Menschen ist das unnormale Verhalten normal. Sie stoßen anderen vor den Kopf, welche sie mögen. Weil sie es nicht glauben können oder Angst haben wieder verletzt zu werden. Sie wurden zu oft in ihrem Leben enttäuscht. Zeigen sie ihre Gefühle offen, wissen sie, dass sie mit ihrem Leben spielen. Denn jede neue Verletzung könnte das I-Tüpfelchen sein und die Selbstmordgedanken erhöhen. Betroffene wissen nicht wer sie sind. Sie suchen stets ihr eigenes Ich. Manche finden es, viele nicht. Sie laufen im Kreis und wenn sie denken sie kommen weiter, gibt es oft Rückschritte und im Nu landen sie wieder in ihre alten Verhaltensmuster und müssen von vorne anfangen. Diese Menschen brauchen jemanden, der für sie da ist. Aber für diese Person, welche helfen könnte, ist es nicht leicht. Extrem viele laufen lieber weg, wenn sie begreifen, wie schwierig und kraftaufwendig es ist. Man darf ihnen deshalb aber nicht böse sein. Sie achten halt nur besser auf sich.
Wie kann man Betroffene helfen....?!? Indem man für sie da ist und ihnen zuhört. Ihnen Geborgenheit gibt – sagt und zeigt, wie gerne man diese Person hat, jedoch nicht übertrieben oft und ohne ihnen „auf die Pelle zu rücken“, da viele Betroffene Angst vor Berührungen und Nähe haben. Anfangs wird die betroffene Person „komisch“ reagieren, da sie es nicht gewohnt ist. Tief innen kommen Warnsignale hoch, welche nicht wollen, dass sie wieder verletzt werden. Es kann lange dauern, bis die Person überhaupt Geschenke annehmen kann oder keine „dummen“ Sprüche loslässt, wenn sie Komplimente bekommt. Unbewusst wird diese Person versuchen die Menschen, welche sie gerne hat, zu verjagen. Dies tut sie nur, um weitere Enttäuschungen zu umgehen, da sich im Kopf festgesetzt hat, dass keiner wirklich für sie da ist und früher oder später verschwindet oder sie verletzt.
Betroffene können geheilt werden! Es dauert zwar Jahre und viel Ausdauer, aber sie können irgendwann ein normales Leben führen und mit Menschen normal umgehen.
Die ersten Anzeichen einer Besserung: Die betroffene Person (sie) kann in den Spiegel sehen, ohne sich mies zu fühlen. Sie sucht Kontakt zu anderen Menschen. Die Sprüche werden harmloser. Selbstverletzende Äußerungen werden seltener. Sie kann zur Begrüßung Umarmungen zulassen. Sie ist nicht mehr so angespannt. Sie kann Geschenke annehmen und sich darüber freuen.